Ein Nas ohne Horn in Südafrikas Greater Kruger Park: Artenschutz-Aktion mit extremen Mitteln

Von Beate Gernhuber – Inhaberin von SafariScout.com – Reisen in Afrika

Das ist ein Nashorn in Afrika mit drei Hörnern auf der Nase. Besonders in Südafrikas Greater Kruger Nationalpark werden sie aufgrund ihres Horn von Wilderern brutal gejagt. Fotoquelle: WWF
Nashorn in Afrika – Quelle: WWF

Das ist ein Nashorn in Afrika. Mit drei feinen Hörnern auf der Nase. Diese Tierart ist so alt, dass ihre Vertreter wie Dinosaurier anmuten. Doch die Uhr tickt, für diese Tierart, denn sie ist kurz vor dem Aussterben. Nashörner werden seit Jahrhunderten in Afrika gejagt – aus verschiedenen Gründen.

Sie gehören zu den sogenannten Big 5, zusammen mit Elefanten, Löwen, Büffeln und Leoparden. Nicht, weil sie ausserordentlich Big, also groß, sind. Die Bezeichnung Big 5 stammt aus der Zeit der Großwild-Jäger, die aus Sport, Abenteuer und natürlich auch damals schon aufgrund einer Nachfrage in Europa und anderswo ihre Abschüsse zu Big Dollars machten. Die Jäger verkauften das Elfenbein der Elefanten, die Häute von Leoparden und viele andere Körperteile vieler anderer afrikanischer Wildtiere, um Käufern, Sammlern und abergläubischen Menschen, ihren Sinn nach Exotik, Luxus und Aberglauben zu erfüllen.

Der Name Big 5 wurde von diesen „Kanonen-Helden“ geprägt, denn sie galten als die Tiere, die am gefährlichsten zu Fuss im Busch zu jagen waren.

Ein Nashorn dieser Tage in Südafrikas Greater Kruger Park. Die Hörner wurden entfernt, um die Tierart vor Wilderei und damit vor dem Aussterben zu schützen. Quelle: Balule Nature Reserve
Nashorn ohne Horn dieser Tage in Südafrikas Greater Kruger Park – Quelle: Balule Nature Reserve

Das ist ein Nas ohne Horn dieser Tage in Südafrikas Greater Kruger Nationalpark. Das Horn, das diese Tierart beschreibt, ist weg. Abgesägt mit einer Kettensäge. Aber nicht von Wilderern. Sonst wäre auch dieses Tier tot, erschossen, das Horn blutig-brutal abgehackt, und würde im Busch verrotten.

Dieses Nashorn lebt. Aufgrund einer schweren, zum Teil umstrittenen und über ein Jahr lang abgewägten Entscheidung von Tierschützern, Wildhütern, Wildlife-Tierärzten und Rangern im Privaten Balule Nature Reserve, das Teil des riesengroßen Artenschutz-Gebietes des Greater Kruger Nationalparks im Nordosten von Südafrika ist und täglich von vielen vor allem auch deutschen Safari-Touristen besucht wird

Camp Feuer in Südafrikas Busch - nach einem aufregenden Tag auf Safari mit Afrikas Wildlife.
Camp Feuer in Südafrikas Busch – nach einem aufregenden Tag auf Safari mit Afrikas Wildlife.

Während tagtäglich Südafrika Besucher nach einem aufregenden Tag auf Safari zu den Tieren im Greater Krüger Nationalpark am Feuer bei einem kühlen Getränk entspannen und ihre Reisegeschichten und Fotos bei Sonnenuntergang austauschen, beginnt für die Wildhüter, Ranger, Anti-Wilderer-Patrouillen und Nationalparksangestellte eine weitere Nacht, in der sie um ihre Tiere, im Besonderen um die Nashörner, bangen.
Denn dann schlagen die Wilderer zu. Vor allem bei Vollmond.

Das Big Business mit den Big 5, in den letzten Dekaden vor allem mit dem Horn des Rhinoceros, hat in Südafrikas Kruger Park Ausmaße erreicht, die nach extremen Tierschutz-Maßnahmen schreien. Hochgerechnet wird alle paar Tage ein Nashorn in Südafrika abgeknallt. Nur wegen seines Horns, dessen chemische Zusammensetzung sich von unseren menschlichen Haaren und Fingernägeln nicht unterscheidet.

Pulverisiertes Nas-Horn gilt als Aphrodisiakum in Asien.

Das Tier hat Pech, wenn vor allem in Asien Männer an eine potenzgebende Kraft des Nashorn-Mehls glauben. Denn ein riesiges Nasen-Horn scheint für sie eine gewünschte, männliche, phallische Silhouette zu beschreiben.

Es ist so einfach. Und doch so unglaublich traurig, wenn man diesen Irrsinn aus der Perspektive eines nur halbwegs gebildeten Menschen des 21. Jahrhunderts betrachtet.

Bildung ist DER Schlüssel zu diesem Szenario der Ausrottung einer Tierart – wie für die meisten Probleme unseres Planeten auch.

Nashorn in Simbabwe – Wildtier-Pirsch zu Fuss mit erfahrenem Ranger

Das ist ein Nashorn in Simbabwe – das Highlight meiner stundenlangen Pirschwanderung vor ein paar Jahren durch den dichten Busch nahe des Matopos Nationalparks. Der enthusiastische, erfahrene Ranger und wir beeindruckten Gäste kamen nach der Wanderung ganz schnell auf das Thema zu sprechen, wie man am besten gegen die Wilderei von Nashörnern angehen könne.

„Die Wilderer fangen und verurteilen!“ – war unser aller erster Gedanke, um die Leute zu kriegen, die die Tiere abschlachten. Der Ranger zündete sich eine Zigarette an und wartete weitere Vorschläge ab. „Die Auftraggeber für diese Aktionen hinter Schloss und Riegel bringen!“, war unser nächster Gedanke, bei dem wir in unserer Unkenntnis im Nachdenken eine Stufe höher gegangen waren und so langsam die Drahtzieher dieser Aktionen in unseren Fokus bekamen. Der Ranger zog an seiner Kippe und wartete weitere Argumente ab. Als keine kamen, sagte er: „Alles richtig! Aber wie kriegen wir diese Auftraggeber, wenn sie auf Regierungsebene in verschiedenen Staaten agieren, und von Geld und Politik geschützt werden?!“

Die Big 5 zieren die südafrikanische Währung ZAR

„Bildung! Bildung! Bildung! In Afrika und Asien! – Das ist die einzige nachhaltige Möglichkeit!“ – sagte der Ranger, drückte seine Zigarette in seiner Hand aus und steckte den Stummel in seine Hosentasche.

Wildtier-Safari zu Fuss in Afrika – auf Nashorn-Pirsch in Simbabwe

Aber für das Breit- und Spitzmaulnashorn in Afrika geht unterdessen die Uhr gen 2 vor Zwölf. Die Bildung von Jungen und Alten in aller Welt zur chemischen Beschaffenheit eines Nas-Hornes ist ein wichtiges, jedoch langfristiges und unumstrittenes Ziel. Die Dinosaurier des Kruger Parks werden aber diese Biologie-Stunden zur Aufklärung vielleicht nicht mehr mitleben können.

Deshalb startete kürzlich eine 7-Tage-Extrem-Aktion zum Schutz der Nashörner im Balule Nature Reserve des Greater Kruger Nationalparks von Südafrika. Die Idee: Horn ab, bevor es die Wilderer bekommen! Und weg mit dem Horn in geheime, geschützte Safes. Jedes abgeschnittene Horn wurde am Ende des Tages in eine gesicherte Location ausgeflogen.

Erfahrene Wildlife-Tierärzte schneiden betäubten Nashörnern das Horn ab – einmalige Tier- und Artenschutz-Aktion im Greater Kruger Park von Südafrika – Quelle: Balule Nature Reserve

Mit zwei Helikoptern – geflogen von erfahrenen Piloten – wurden die Nashörner zunächst im Busch lokalisiert. Wildlife-Doktoren betäubten sie aus der Luft mit einem Anästhetikum aus einem Narkosegewehr. Die Crew am Boden war mit Landcruisern und Arznei-Koffern binnen Minuten zur Stelle. Die Augen der Nashörner wurden verbunden und die wichtigen Lebensfunktionen wie Herzschlag und Atmung beobachtet, während der Tierarzt die Akku-Kettensäge anwarf und behutsam das Horn nur kurz über dem Nerv abschnitt, sodass das Tier keine Schmerzen erleiden würde.

Das Nas ist ohne Horn und ohne Schmerzen – Quelle: Balule Nature Reserve

Während die Nashörner in Südafrikas Kruger Park bewusstlos waren, wurden zu dem DNA- und Blutproben entnommen. Diese werden ausgewertet und beinhalten wichtige Informationen zur Familienstruktur, der Gesundheit und der Verbreitung der Nashörner, die in diesen 7 Tagen ihr Horn verloren haben. Den Effekt auf die Lebensweise der Spezies, den diese bislang beispiellose Grossaktion auslöst, werden wir erst in vielen Jahren zur Kenntnis bekommen.

Ein Nashorn ohne Horn, scheint wie ein Hund ohne Schwanz! Wie eine Frau ohne Brüste, wie ein Mann ohne Penis? Jeder von uns kennt Menschen, die ohne wichtige Körperteile ihr Leben wieder auf die Reihe bekommen müssen. Respekt vor allen, die dies tagtäglich meistern! Der Unterschied zum Nas ohne Horn, ist der, dass das Nashorn nicht krank war, oder Krebs hatte. Das Nashorn in Afrika hat ein Horn, in dessen Substanz viele Menschen in wissenschaftlich unbewiesener Weise einen Mehrwert in ihrem Sex-Leben vermuten. Aus Aberglaube, Tradition und mangelnder Bildung.

Nashörner in Südafrika schützen – Wo anfangen?

Die grosse Kettensägen-Aktion der vergangenen Tage im Balule Nature Reserve des Greater Kruger Nationalparks kennt bislang keine Vergleiche. Die ambitionierten Tierschützer mussten sich auch vielen Fragen stellen:

Wie reagieren die Wilderer auf ein Nas ohne Horn? Töten sie es trotzdem?

Wie sicher sind die Nashörner mit Horn, denn die Tiere können zwischen dem Nationalpark und den angrenzenden Privaten Wildreservaten frei wandern?

Das Horn des Nashorns wächst nach. Wann ist ein enthorntes Nashorn wieder in Gefahr?

Das Ehrenamt-Projekt von SafariScout.com unter Leitung des Regionalen Wildhüters findet im Balule Nature Reserve und anderen Orten im Greater Kruger Nationalpark von Südafrika statt

Diese Fragen werden in der nächsten Zeit an oberster Stelle auf der Agenda der Wildtier-Hüter des Greater Kruger Nationalpark Gebietes stehen. Alle Tiere stehen werden ständig beobachtet: durch Anti-Wilderer-Patrouillen, Beobachtungsflüge und Safaris zu Fuss durch den Busch Südafrikas. Viele Initiativen arbeiten im Balule Nature Reserve am Arten- und Naturschutz.

Die Black Mambas: Ranger-Frauen auf Patrouille im Balule Nature Reserve des Greater Kruger Nationalparks in Südafrika.

Die Black Mambas sind ein weiteres bislang unvergleichliches Vorzeige-Projekt des Balule Nature Reserves am Greater Kruger Nationalpark von Südafrika, um den Wilderern auf die Schliche zu kommen. Das Frauen-Team ist für die wichtige Sysiphos-Arbeit im Busch zuständig. Tag und Nacht sind sie auf dem Gelände des Greater Kruger Parks unterwegs. Gesprochen wird kaum, dafür sind Augen und Ohren auf maximalen Empfang ausgerichtet. Die Black Mambas sammeln in erster Linie Informationen. Denn, um den Wilderern voraus zu sein, müssen zunächst deren Wege, Gewohnheiten und Fehler gefunden werden. Die mutigen Frauen und Mütter konzentrieren sich bei ihren Busch-Safaris auf Fussabdrücke, die an Orten sind, wo sie nicht sein sollten, auf Fahrzeuge und Personen, die an Orten sind, wo sie nicht sein sollten. Sie dokumentieren jeden kleinen Hinweis im Busch, der nicht ins normale Bild passt.

Partner beim Kampf um das Überleben der Nashörner Südafrikas: K9 belgische Malinois Schäfer-Hunde auf Fährte nach Wilderern im Greater Kruger Nationalpark

Die Dritten im Bunde der neuen Anti-Wilderer-Maßnahmen in Südafrikas Kruger Park Tierschutzgebiet sind speziell trainierte Hunde der belgischen Malinois Schäferhund Rasse. Seit Jahren werden sie mit ihren Hundeführern eingesetzt, um Wilderer-Spuren zu verfolgen. Diese Hunde werden auf die Geruchsspuren an einem Tatort eingesetzt und verfolgen diese so weit sie können. Seit kurzem haben sie Verstärkung durch speziell trainierte Verwandtschaft bekommen. Die „free running dogs“ sausen alleine ohne ihren menschlichen Boss durch den Busch in Afrika. Sie sind darauf eingestellt, sich nicht nur der Fährte am Boden zu widmen, sondern den Geruch in der Luft weiterzuverfolgen, auch wenn die Spur am Boden endet. Auf diese Weise tragen die Hunde dazu bei, kostbare Zeit bei der Ergreifung von Wilderern zu gewinnen. Bei ihrem Einsatz werden die Hunde von ihren Herrchen zumeist aus der Luft angeleitet – die afrikanische Form von „Helikopter-Eltern“.

Freiwillige Natur- und Artenschutz-Partner aus aller Welt beim Volunteers Projekt im Greater Kruger Nationalpark von Südafrika

Beim Einsatz für den Schutz der Flora und Fauna des Kruger Parks in Südafrika kommen alle Beteiligte täglich an ihre Grenzen. Der Schutz der Nashörner, Elefanten, Schuppentiere und zahlreicher anderer Wildtierarten benötigt Verbündete.

Wer mehr über die belgischen Busch Hunde, die Black Mambas und das ungewöhnliche Projekt der Entnashornung erfahren will, der kann am Afrika Freiwilligen Projekt im Balule Nature Reserve und anderen Teilen von Südafrikas Greater Kruger Nationalpark teilnehmen. Geplant wurde es vom Regionalen Wildhüter der Balule Region in Kooperation mit SafariScout.com.

SafariScout.com – Reisen + Abenteuer in Afrika. Was wir nicht kennen, empfehlen wir nicht.

Weitere Infos zu diesem Text:

25 Tage Freiwilligen Auslandseinsatz in Südafrikas Greater Kruger Nationalpark

Kruger Park Safaris in Deutsch

SafariScout.com – in Potsdam und Afrika Zuhause

Nas ohne Horn – Tierschutzaktion im Balule Nature Reserve in Südafrika

Black Mambas – Südafrikas Frauen-Truppe gegen Wilderei

Hunde gegen Wilderei – Helden auf vier Pfoten in Südafrikas Greater Kruger Nationalpark/

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